1910 bis 1950
Zwischen 1912 und 1914 erstrahlte das Theater in neuem Glanz: Der Zuschauerraum wurde frisch gestrichen, bequeme Sitze installiert und sogar eine zu dieser Zeit sehr moderne Wasserspülklosett-Anlage eingebaut. Heizung und elektrische Beleuchtung sorgten für zusätzlichen Komfort. Die feierliche Eröffnung der Saison 1913/14, untermalt von Carl Maria von Webers Jubel-Ouvertüre, markierte den Beginn einer erfolgreichen Ära unter der Leitung von Fritz Bartsch und Heinrich Alberts, die das Publikum mit einem vielfältigen Programm begeisterten.
Die plattdeutsche Sprache hat in Wismar eine starke Tradition, die sich 1925 in der Gründung einer Niederdeutschen Bühne manifestierte. Unter der Leitung von Lisa Kuß, die 1967 die Bühnenleitung übernahm, trotzte das Theater sogar Zeiten der Zensur, in denen westdeutsche Stücke verboten waren. 1990 wurde der Verein "Niederdeutsche Bühne Wismar e.V." gegründet, welcher eng mit dem Theater verbunden ist.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Theater eine wahre Renaissance. Unter Intendant Peter-Christian Will und seinem Ensemble lockten 147 Aufführungen in der Spielzeit 1945/46 unglaubliche 124.254 Besucher an. Doch das Schicksal schlug 1948 zu: Ein verheerender Brand zerstörte das Gebäude nach 106 Jahren vollständig.
Doch der Spielbetrieb ging weiter – zunächst im „Volkshaus“ und „Schützenhaus“, während Spenden gesammelt und Pläne für einen Neubau geschmiedet wurden. Bereits einen Monat später begann der Wiederaufbau, und am 27. März 1949 konnte das neue Theatergebäude, welches eine ehemalige Exerzierhalle war, in der heutigen Philipp-Müller-Straße mit Schillers „Maria Stuart“ feierlich eröffnet werden. Die 50er und 60er Jahre waren geprägt von einem vielfältigen Programm, das von Schauspiel über Oper und Operette bis hin zu Ballett und Konzerten reichte.
Die Gründung einer Handpuppenbühne unter Leo Martens im Jahr 1949 bereicherte die kulturelle Szene Wismars. Diese Tradition, die bis zur Etablierung des staatlichen Puppentheaters 1978 fortbestand, lockte Künstler in die Stadt und förderte die lokale Kunstszene. Mit dem Märchen "König Drosselbart" begann eine neue Ära für das Puppentheater.